In Mailand feierten 100.000 Jugendliche ein „stilles Silvester"
Ausgabe: 1999/02, Taize, Mailand
13.01.1999
- Andrea Prielhofer
Rund 100.000 Jugendliche – davon mehr als 100 aus OÖ. – feierten den Jahreswechsel am Taizé-Treffen in Mailand. Die Italiener nahmen sie mit großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft auf.Sämtliche Glocken läuten am 28. Dezember 1998 das 21. Europäische Jugendtreffen in Mailand ein. Die Teilnehmer sehen der fünftägigen Veranstaltung mit großen Erwartungen entgegen: Sie wollen gemeinsam beten, singen und feiern, ihren Glauben festigen und Menschen aus ganz Europa kennenlernen. Die Jugendlichen werden nicht enttäuscht. Sprachliche Barrieren sind hier kein Problem. Die Gebete am Messegelände werden in 25 Sprachen übersetzt. In der Freizeit dienen notfalls „Hand und Fuß“ der Verständigung. Für politische Ost-West-Diskussionen bleibt kein Platz. Zwischen den Brüdern von Taizé sind die knapp 45.000 Jugendlichen aus Osteuropa keine unerwünschte Minderheit. Das würdigte auch der Mailänder Erzbischof, Kardinal Carlo Maria Martini: „Ich wünsche mir, daß das Europäische Jugendtreffen uns beibringt, in Brüderlichkeit zu leben, zusammenzustehen, gemeinsam den Frieden zu suchen und Konflikte zu überwinden.“Die Offenheit und Hilfsbereitschaft der Mailänder begeisterte die jungen Menschen. „Kaum zog ich den Stadtplan aus der Tasche, wurde ich schon gefragt, ob man mir helfen könne“, erzählt Katharina Wasserbauer. 450 Pfarrgemeinden in und um die Stadt sorgten dafür, daß das Treffen zu einem unvergeßlichen Erlebnis wurde. Erstmals konnten 80 Prozent der Teilnehmer bei Familien untergebracht werden, und mußten nicht in Massenlagern schlafen. Manche Familien räumten ihre Schlafzimmer, um die Gäste möglichst gut unterzubringen. „Eine Familie stornierte ihren Winterurlaub und kaufte vom ersparten Geld Betten“, erzählen zwei Jugendliche. Frère Roger gibt KraftMittelpunkt der Treffen sind die Ansprachen des Taizé-Gründers Frère Roger. Seine Ratschläge helfen vielen Jugendlichen zu sich selbst zu finden und mit neuer Kraft und Engagement in ihre Heimatgemeinde zurückzukehren. Gemeinsam gehen sie ein Stück den „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“. „Das Gefühl mit so vielen Menschen zu beten und feiern ist einfach unbeschreiblich“, erzählt ein Jugendlicher.Höhepunkt der fünf Tage war für viele das „stille Silvester" mit Gebeten, Meditation und Liedern. Doch auch die Unterhaltung kam nicht zu kurz: Im Großteil der 450 Gemeinden wurde noch lange gefeiert und die neuen Bekanntschaften vertieft. So stellten viele Jugendliche ihr Heimatland und ihre Bräuche vor. „Die Gruppe aus Oberösterreich tanzte Walzer und Polka um den anderen einen Teil von Österreich zu zeigen“, lacht Sonja Reitinger. Auch Daniela Binder möchte dieses Erlebnis nicht missen: „Obwohl die U-Bahnen immer total überfüllt waren, und das Pendeln zwischen Messegelände und meiner Gastgemeinde ziemlich stressig war, habe ich Silvester genossen.“ Sie bleibt den Brüdern von Taizé treu und wird kommenden Sommer – genauso wie jährlich Tausende Jugendliche aus aller Welt – die ökumenische Gemeinschaft Taizé im Burgund besuchen.