Die Zeit vom Morgen bis zum Abend des 24. Dezember gut zu überbrücken, ist für Familien mit kleinen Kindern besonders schwierig. Am Heiligen Abend haben in unserem Häuserblock viele Familien die Strategie: Einer, meist der Mann, besucht mit den Kindern die Nachbarn zum „Frohe Weihnachten-Wünschen“, während der andere, meist die Mutter, die Wohnung vorbereitet.Das heißt, kaum habe ich meine Rasselbande vor die Tür gesetzt, klingeln andere Kinder bei uns. Da hilft nur eines: eine große Keksschüssel auf den Küchentisch stellen und wer da ist, muß mithelfen. Unser Christbaum wird immer gemeinsam geschmückt. Die Kinder dürfen auch den Rest der Wohnung weihnachtlich schmücken, auch wenn sich danach ein Tannennadel- und Goldlametta-Teppich auf dem Fußboden ergeben hat. Zu Weihnachten wird auch gemeinsam etwas Einfaches gekocht und für den Abend eine kalte Platte bereitet, die die Kinder mit allem Möglichen wie Gurkerl und Unmöglichem, wie Christbaumkugeln auf Bananenscheiben, dekorieren. Ein Weihnachtsspaziergang und der Besuch der Kindermette verkürzen den Nachmittag und die Bescherung wird einfach so früh angesetzt, daß die Kinder nicht allzu müde sind. Sind sie dann wider alle Planung doch schläfrig, kommt der Opa später als geplant, oder hat irgendwer die kalte Platte teilweise schon vor dem Essen abgeräumt, hilft nur eines, sich zu sagen: Weihnachtsfeiern, die ablaufen wie eine perfekte Fernsehshow, haben nichts gemeinsam mit der Erinnerung an jene Nacht, in der unvorbereitet in einem Stall ein Kind auf die Welt kam. Mit diesem Gedanken im Kopf bin ich gut vorbereitet auf all das Unvorbereitete an dem nicht immer ganz so heiligen Abend. Kerstin Kordovsky-Schwob