1998 wurde viel Porzellan zerschlagen - Bonus Dialog und Papstbesuch
Ausgabe: 1998/52, Jahresrückblick
04.01.1999
- Hans Baumgartner
Für die Kirche Österreichs Endet das Jahr 1998 wie es begonnen hat: mit Mißtönen. Daß die Kirche auch anders kann, zeigte die Delegiertenversammlung von Salzburg im Oktober.Begonnen hat das Jahr 1998 mit einer neu aufgeflammten Debatte um den Roggendorfer Prior und Alterzbischof von Wien, Kardinal Hans Hermann Groer. Nach schweren Vorwürfen von Patres und Exmönchen erbat der Göttweiger Abt Lashofer eine römische Visitation. Zwei Wochen bevor Abtprimas Marcel Rooney eintraf, enthob Bischof Krenn P. Udo Fischer am 18. Februar seines Amtes als Pfarrer von Paudorf. Er heizte damit die Situation zusätzlich ebenso auf wie mit der von ihm eingefädelten Teilnahme Groers am feierlichen Konsistorium in Rom am 21. Februar, bei dem Erzbischof Schönborn zum Kardinal erhoben wurde. Am 27. Februar wurde die Erklärung der vier Bischöfe zu den Vorwürfen gegen Groer veröffentlicht. Am Osterdienstag machte Groer in einer Erklärung des Nuntius erstmals eine vage Entschuldigung und erklärte seine Bereitschaft, „seinen bisherigen Wirkungskreis aufzugeben“. Groer ging daraufhin bis in den Spätherbst ins Exil; Schönborn entschuldigte sich bei den Opfern und sagte Hilfe zu.Ein mühevoller WegEin wesentliches Konfliktfeld, auch unter den Bischöfen, war damit entschärft. Daß es dann zum Jahresende wegen eines geringfügigen Anlasses (Fünfjahresbericht) erneut zu einem heftigen Krach in der Kirchenleitung gekommen ist, weist auf die schwierige Lage innerhalb der Bischofskonferenz hin, die sich auch im mühsamen Ringen um einen gangbaren Weg für den Dialog gezeigt hat. Drei Monate lang haben die Katholische Aktion und eine Reihe von Bischöfen, allen voran Johann Weber, hart darum gekämpft, daß der „Dialog für Österreich“ nicht zu einer Alibiveranstaltung verkommt, sondern das Forum einer ehrlichen Auseinandersetzung mit den „heißen Eisen“ der Kirche und der Zeit wird. Am 30. März wurden die entscheidenden Weichen für die Delegiertenversammlung in Salzburg gestellt: Nichts sollte unter den Teppich gekehrt werden, alle Gruppen sollen am Dialog beteiligt werden. „Die hatscherten Zeiten sind vorbei“, sagte Bischof Aichern. Zahlreiche Studientage zu kirchlichen und sozialen Themen, vielbeachtete Parteiengespräche und das im September vorgestellte Arbeitspapier machte deutlich, daß es den entscheidenden Kräften der Kirche Österreichs sehr ernst um diesen Dialog ist. Daß Kardinal Schönborn die Staffel von Bischof Weber am 30. Juni (Vorsitzwechsel) so engagiert übernommen hatte, gab Hoffnung. Und die Delegiertenversammlung von Salzburg vom 23. bis 26. Oktober zeigte, was die Kirche Österreichs auch kann: Miteinander beten und in Achtung voreinander und vor der Botschaft Jesu um den Weg der Kirche in die Zukunft ringen. Von einem „Pfingsterlebnis“ sprachen manche.Der Papstbesuch vom 19. bis 21. Juni mit den drei Seligsprechungen auf dem Heldenplatz hat neben vielen berührenden Momenten der Kirche Österreichs auch klargemacht, daß sie ihre Probleme selber lösen muß. „Auftreten, statt austreten“ und „Gebt den Dialog nicht auf“ waren seine zentrale Botschaft.