Symposium diskutierte in Puchberg über „50 Jahre Menschenrechte“
Ausgabe: 1998/49, Menschenrechte
02.12.1998
- Martin Kranzl-Greinecker
„Wir müssen uns fragen, warum die Supermärkte voller sind als ein Saal, in dem über Menschenrechte diskutiert wird.“Diese Frage formulierte letzten Samstag der prominente Buchautor Hans-Peter Martin („Die Globalisierungsfalle“) bei einem Symposium im Schloß Puchberg bei Wels, das von Kirchenzeitung, Arbeiterkammer, Bildungshaus Puchberg und der Initiative „Welser gegen Faschismus“ veranstaltet worden war. Rund 80 Teilnehmer/innen kamen, um Referate hochrangiger Experten zu hören und mit ihnen zu diskutieren. Bei einem „Basar der Menschenrechte“ präsentierten sich Organisationen, in deren Mittelpunkt der Einsatz für Menschen in Not steht.Hans-Peter Martin wollte mit seiner Erwähnung des vollen Einkaufszentrums nicht nur provozieren. Martin, Kenner weltwirtschaftlicher Zusammenhänge, ist überzeugt, daß die Menschenrechte längst den Spielregeln des globalen Marktes untergeordnet sind. „Nicht mehr ME wie Menschenrechte zählt, sondern MÄ-MÄ wie Männer und Märkte.“ Stichwort Männer: Sowohl die evangelische Superintendentin Knoll als auch Ingrid Nikolay-Leitner, Gleichbehandlungsanwältin im Wiener Frauenministerium, betonten die ungleiche Verteilung der Rechte unter den Geschlechtern. Im Umgang der Geschlechter miteinander, sowie in der Bevölkerungsentwicklung liege schließlich ein wesentlicher Schlüssel für die Zukunft der Menschen und ihrer Rechte.Entscheidend sei unter anderem das Bekenntnis zur Demokratie als tauglichste Form menschlichen Miteinanders. Diese Forderung schrieb der Innsbrucker Politologe vor allem der katholischen Kirche ins Stammbuch. Der Vatikan, so Pelinka, blockiere mit der Ablehnung der Demokratie die Ausbreitung der Menschenrechte.