„Das 2. Vatikanische Konzil hat das Wort von den mündigen Christinnen und Christen geprägt. Wir wollen es mit Leben erfüllen.“ So umschreibt Ursula Struppe das Ziel der „Theologischen Kurse“. Der „Wiener Fernkurs“, wie die „Theologischen Kurse“ im kirchlichen Volksmund genannt werden, wurde vor fast 50 Jahren gegründet. In einem Mischsystem von schriftlichen Unterlagen, Seminarwochen und Prüfungsgesprächen will er eine zeitgemäße und umfassende theologische Grundausbildung bieten, die man neben dem Beruf machen kann. „Viele unserer Kursteilnehmer“, so sagt Ursula Struppe, „kommen aus dem Kreis der engagierten Mitarbeiter/innen in den Pfarren. Sie wollen mehr wissen, wenn sie nach Glaube und Kirche gefragt werden, und sie wollen für sich selber Gewißheit, wie das oder jenes nun wirklich ist. In den letzten Jahren kommen auch immer mehr Suchende, die vom kirchlichen Leben schon ziemlich weit entfernt sind, die es aber noch einmal wissen wollen: Ist dieser Glaube das, was mir leben hilft?“ Für etwa zehn bis 15 Prozent der Teilnehmer/innen dient der Kurs als Vorbereitung auf einen kirchlichen Beruf (Diakon, Pastoralassistent/in, Religionslehrer/in).„Unser Ziel ist es“, so Ursula Struppe, „das eigenständige Nachdenken über den Glauben zu fördern. Die solide theologische Ausbildung soll mithelfen, daß erwachsene Menschen auch in Glaubensfragen jenes Niveau finden, das sie auf ihrem beruflichen und persönlichen Weg schon erreicht haben. Durch ein auf ,Normalverbraucher‘ abgestimmtes Kursangebot wollen wir einen Beitrag leisten, daß Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, auch in Glaubensdingen auf eigenen Beinen stehen“, betont Struppe. Ein erwachsener Glaube für mündige Christen – dieses Programm spricht durch die Jahre hin auch viele Männer an, die bei kirchlichen Bildungsangeboten sonst häufig eine Minderheit sind. Eine eigene MeinungFür viele Teilnehmer/innen sei der Kurs weit mehr als bloßes Pauken von theologischem Sachwissen, meint Ursula Struppe. „Da erfahren Menschen, die zunächst voller Zweifel sind, ob sie das schaffen, daß es geht. Und mit jeder Prüfung wächst das gesunde Selbstwertgefühl, das oftmals unter dem Scheffel stand, weil man ja ,nur‘ Hausfrau, Bauer oder Pensionistin ist. Eine andere Erfahrung ist, daß bei sehr vielen eine große Erleichterung spürbar wird. Dinge, die sie nicht mehr verstehen konnten, klären sich, weil man z. B. lernt, die Bibel mit anderen Augen zu lesen. Tote Glaubenssätze füllen sich mit Leben, und mancher bedrückende Ballast fällt ab.“ Zu ihren schönsten Erfahrungen gehört es, so Struppe, mitzuerleben, „wie Menschen plötzlich aufwachen, selbstbewußt werden; wie sie sich auch in Glaubensfragen eine eigene Meinung zutrauen und für diese auch eintreten“. Tief berührt habe sie auch eine Frau, die mit ihrem Gatten vor dem Kirchenaustritt stand „und der Kirche noch einemal eine ,Chance geben wollte‘. Durch den Kurs konnte sie für sich einen neuen Zugang zum Glauben finden“. Die FaktenDie „Theologischen Kurse“ werden vom Institut „Fernkurs für theologische Bildung“ der Bischofskonferenz angeboten. In drei verschiedenen Varianten wird eine solide Grundausbildung in den Bereichen Bibel (AT u. NT), Christliche Philosophie, Fundamentaltheologie, Kirchengeschichte, Liturgik, Spiritualität, Dogmatik, Moraltheologie, Kirchenrecht und Pastoraltheologie vermittelt. Variante I: Dauer: 24 Monate. Schriftliche Unterlagen und eine 3stündige Unterrichtseinheit pro Woche (derzeit nur in Wien im Angebot).Variante II: Dauer: 27 Monate; Skripten werden monatlich zugesandt. Zwei bis drei Studienwochen jeweils im Sommer. Variante III: Dauer: 30 Monate. Skripten werden zugesandt. Vier bis sechs Wochenendseminare pro Kursjahr. Dieses Angebot gibt es in Vorarlberg (Bildungshaus Batschuns) und Wien (Don Bosco); Linz ist geplant. Kosten für Kursmaterial und Seminare (ohne Aufenthalt) 160 bis 180 Schilling im Monat. Dazu kommen Einschreibgebühr (100 öS) und Prüfungstaxen. Das Ablegen von Prüfungen wird empfohlen. In den Diözesen gibt es während des Jahres freiwillige Studierzirkel. Anmeldung: Bis Ende Oktober; Nachnennfrist bis 31. 12.