Die Kirche zählt zweifellos zu jenen Einrichtungen in Österreich, die in der Erwachsenenbildung die größte Breitenwirkung haben. Der Bogen reicht von den Bildungswerken in den Pfarren und den Gruppenleiterschulungen der Jungschar bis zu den vielfältigen Angeboten der Bildungshäuser und Klöster, von Bibelseminaren bis zu Kursen über ökosoziale Marktwirtschaft, von Partnerschafts- und Eheseminaren bis zu Glaubens- und Lebenshilfen für die wachsende Zahl alter Menschen. Das Angebot ist so bunt wie das Leben der Menschen und deren Suche nach einem erfüllten Dasein. Es gibt Informatives und Meditatives, es gibt leichter Verdauliches und schwere Kost, es gibt Stunden der Muße und es gibt Tage der Einkehr. Angesichts dieses breiten Bildungsstromes stellen Beobachter zuweilen kritische Fragen, die zu denken geben:u Wie geht die Kirche mit jenen um, die durch Bildung zu einem erwachsenen, mündigen Glauben gefunden haben. Werden sie ermuntert, eingeladen und verantwortlich – vielleicht sogar bezahlt – in die Arbeit eingebunden. Da gibt es gute Beispiele, aber auch viel Zurückweisung, Verletzungen und Frustration.u Warum finden sich trotz dieser Angebote so viele Menschen in ihren Freuden und Sorgen, ihren Hoffnungen und Nöten in der Kirche ungehört und unverstanden? u Warum ist vielen – auch Praktizierenden – die Bibel noch immer ein Buch mit sieben Siegeln; warum geistern noch immer – 30 Jahre nach dem Konzil – autoritäre Kirchen- und angstbesetzte Gottesbilder in den Köpfen herum?