Im Bildungshaus St. Franziskus in Ried erlebten am Donnerstag, 17. September, 160 Frauen und Männer, wie „Dialog“ in der Kirche gelingen könnte.„Mit dem Wetzen und Mähen, da kenn ich mich aus“, sagt die Bäuerin. Nach der Tagesarbeit hat sie sich Zeit genommen für ein Stück „Dialog für Österreich“ und ganz hinten im Saal hat sie noch Platz gefunden. Trotz des Europapokalspiels der heimischen Fußballer: bei der Dialogveranstaltung auf Einladung der Kirchenzeitung und des Franziskus-Hauses war der Saal voll.„Es ist wichtig, daß man eine Sense gut wetzt, bevor man mäht“, hatte Dr. Thomas Plankensteiner auf einen Einwand gemeint, es werde zwar in der Kirche viel geredet, es käme aber doch zu keinen Taten. Und so wäre, sagt Plankensteiner, auch der Dialog wichtig, bevor die Kirche Maßnahmen setzt. Allerdings: Wer nur wetzt, erreicht nichts, und wer nur mäht, wird sich mit der Arbeit auch bald schwer tun. Die Bäuerin erzählt, was sie für ihr Leben geprägt hat. „Einer trage des anderen Last“ hat ein Jahresmotto geheißen, als sie noch bei der Katholischen Jugend war. Heute gibt es in ihrer Pfarre weder eine Jungschar noch eine kirchliche Jugendgruppe. Sie macht sich Sorgen, weil Kinder und Jugendliche diese Chance nicht mehr haben, die sie für ihr eigenes Leben so prägend erlebt hat.St. Franziskus erlebte einen Abend lang einen sehr ehrlichen Austausch. Zwei aus der Kirche ausgetretene Männer meldeten sich zu Wort. Dem einen hat es weh getan, daß die Umgebung auf seinen Austritt hin kaum reagiert hätte. Der andere entdeckt zu seinem Erstaunen: „Seit ich aus der Kirche ausgetreten bin, komme ich ihr immer näher.“Nicht konsequent genugWeihbischof Dr. Helmut Krätzl eröffnete den Abend mit seiner nüchternen Analyse: „Die Kirche geht ihren Weg seit dem Konzil nicht konsequent genug weiter, sie ist eher stehengeblieben, geht sogar eher zurück.“ In der kirchlichen Ehelehre wäre die Kirche heute eher rückschrittlich, das Zueinander von Priestern und Laien hätte sich zugespitzt, die Frage des Lehramtes wäre ungeklärt, die Ökumene stagniere.Schnell geht das Gespräch in Richtung Frauenfrage. Die Journalistin Dr. Eva Roßmann, Mitinitiatorin des Frauenvolksbegehrens, äußerte sich zunächst positiv zum „Dialog für Österreich“. Dieser Dialog wäre jedoch schwierig, wenn Frauen von vornherein etwa die Berufung zum Priesteramt abgesprochen würde. Viele Frauen hätten im Bezug auf ihre Lebenshoffnungen dennoch hohe Erwartungen an die Kirche. Mag. Eva Petrik, ehemals Präsidentin der Katholischen Aktion Österreichs, sieht ein Hauptproblem der Kirche in ihrer gegenwärtigen Gestalt als „Zweiklassengesellschaft“, geteilt in eine Klerus- und eine Laienkirche. In der Kleruskirche wäre für Frauen kein Platz. Nötig wäre jedoch eine Vielfalt der Ämter, die insgesamt neu durchdacht werden müßten. Rasch solle der Diakonat der Frau möglich werden.Dr. Thomas Plankensteiner sieht Grundanliegen des Kirchenvolksbegehrens im Grundtext für die Delegiertenversammlung zum Dialog für Österreich durchwegs positiv aufgegriffen. (Siehe auch Seite 7). Er plädierte für eine auch ihren Inhalten entsprechende „Körpersprache“ der Kirche. Die Kirche könne ihre Aufgabe, den Menschen zu dienen nur dann erfüllen, wenn sie in sich selbst glaubwürdig ist.