Die Pfarre Schärding steht kirchlich gesehen vor großen Veränderungen. Mit welchem Ausgang, das weiß noch niemand.Alles spielt sich zur Zeit auf engstem Raum ab. Kanzleibetrieb, Besprechungen. Pfarrer August Zauner, seiner eigenen Wohnung zur Zeit „beraubt“, denkt vor allem an die anderen: „Die Schärdinger werden jetzt über Gebühr in Anspruch genommen“. Beengte Verhältnisse, wie sie zur Zeit in der provisorischen Pfarrkanzlei gelten, sind auch für die Stadtpfarre selbst typisch. Nur der Stadtkern gehört zur Stadtpfarre, während das Leben allmählich nach außen wandert. Der nahe Autobahnanschluß zieht die großen Betriebe hinaus in die Nachbargemeinden, nach St. Florian am Inn. Für viele Schärdinger reichen aber auch die Arbeitsmöglichkeiten dort nicht aus, sie sind zu Fernpendlern geworden. Eine ganze Reihe nimmt den täglichen Weg bis nach Linz in Kauf. Bahn und Autobahn haben das etwas leichter gemacht.Seit dem Jahr 1989 unterstützt Mag. Brigitte Reisinger als Pastoralassistentin Pfarrer Zauner. Kaplan gibt es seit 1992 keinen mehr. „Ich hatte damals schon zu kämpfen“, sagt Brigitte Reisinger über ihre ersten Jahre. Bevor sie anfing, gab es nicht einmal eine Lektorin in der Pfarre. „Aber“, so die Obfrau des PfarrkirchenratesMargarete Kubai, „die Arbeit der Brigitte hat Früchte getragen, vor allem für die Kinder- und Jugendarbeit und daß junge Familien in der Pfarre Beheimatung finden.“ Schon Ende September oder Anfang Oktober beginnt etwa die Vorbereitung auf die Erstkommunion des nächsten Jahres.Ein offenes Pfarrhaus und eine offene Kirche für alle, das ist ein Leitmotiv für die Schärdinger Pfarrarbeit. Viele wollen etwas tun. Es war beispielsweise nicht schwierig, für die letzte Pfarrgemeinderatswahl genug Kandidaten zu finden.PfarrsteckbriefDie KurstadtSchärding am Inn bewundert der Gast wegen des herrlichen barocken Stadtplatzes. Von den 5000 Schärdingern bekennen sich rund 4000 zur Katholischen Kirche. Das Krankenhaus der Stadt ist für die medizinische Nahversorgung der Region wichtig. Diakon Wolfgang Zopf ist Krankenhausseelsorger. Bekannt ist das Kurhaus der Barmherzigen Brüder. Allerdings will der Orden den Standort aufgeben. Zur Zeit wartet man auf eine Entscheidung aus Rom, ob tatsächlich verkauft werden kann. In diesem Fall würde auch die von vielen Schärdingern gern besuchte Kirche der Barmherzigen Brüder vom neuen Besitzer übernommen. Sowohl der Kurbetrieb als auch die Gottesdienste sollen aber im bisherigen Sinn weitergeführt werden, betont Kurhausdirektor Helmut Stögmüller.Wie es weitergeht ... wenn der Pfarrer in Pension geht Die Adaptierung und die Errichtung des Pfarrzentrums fällt in eine Zeit, da auf die Stadtpfarre Veränderungen zukommen. Im kommenden Jahr wird Pfarrer Zauner in Pension gehen. Wie es dann weitergehen wird, ist zur Zeit Hauptsorge vieler Schärdinger, vor allem unter den rund 900 Katholiken, die Sonntag für Sonntag zum Gottesdienst kommen. „Kriegen wir noch einen Pfarrer?“ – Das ist die Frage, die jetzt im Raum steht. Pfarrkirchenratsobmann Adolf Sonnberger bringt die Sorge auf diesen Punkt. Man hat diese Wirklichkeit einfach zu lange nicht wirklich zur Kenntnis genommen, meint er. Im Jahr 1966 ist August Zauner als Pfarrer in die Barockstadt gekommen. Die Pfarre hat sich vom barocken Kirchenstil weiterentwickelt zu einer Pfarre, in der sich möglichst viele verantwortlich fühlen sollen.Die Veränderung in der Pfarre fällt in eine Zeit, in der sich die Diözese Linz Gedanken über die zukünftige Struktur insgesamt macht. Pfarren sollen in Seelsorgsräumen eng zusammenarbeiten. Den Weg dahin schätzen die Seelsorger von Schärding noch mühevoll ein. Die Priester sind in den meisten Pfarren alt, die Zusammenarbeit muß erst gelernt werden. Man wird bei diesen Plänen schon die Unterstützung von Linz her brauchen.Der lange Weg ins Zentrum der Diözese ist Pfarrer Zauner schon oft schwer gefallen. Dennoch hat er die diözesanen Anliegen stets mitgetragen, besonders in seiner Funktion als Dechant. Ganz am Rand der Diözese ist der Kontakt nach Linz etwas Wichtiges, meint Brigitte Reisinger.Bei den Gottesdiensten versucht die Pfarre, in der Gestaltung möglichst viel abzuwechseln. Möglichst viele sollen sich so angesprochen fühlen. „Eine gute Mischung“ ist dem Pfarrer wichtig. Die Möglichkeiten der Begegnung im neuen Pfarrheim sollen helfen, ein besseres „Wir-Gefühl“ in der Pfarre zu erreichen. Weil viele auch die Gottesdienste in der Kurhaus-Kirche oder im Krankenhaus besuchen, ist das gar nicht so leicht.Bis auf den GrundBis auf den Grund mußte man bei den Arbeiten für das neue Pfarrzentrum in Braunau gehen. Weil die Pfarre für ihre Veranstaltungen aus dem Kolpinghaus ausziehen mußte, entschied man sich für die Errichtung eines Pfarrheimes. Und weil im alten Pfarrhof seit zwei Generationen praktisch auch nichts mehr gründlich hergerichtet wurde, wird der Pfarrhof in das Projekt einbezogen. Bei einem so alten Gebäude ist das für die Firmen und für die freiwilligen Helfer eine zunächst recht staubige Angelegenheit. Isoliert wurde damals, vor 100 Jahren mit Flußstaub, den man vom Inn heraufschaffte. Gestein mit Granitblöcken von einem halben Meter Durchmesser bildete das Material der Mauern.Bis ins Frühjahr hofft die Pfarre mit dem Bau fertig zu sein. Man wird dann für die Pfarrveranstaltungen einen eigenen Saal zur Verfügung haben. Was bis jetzt oft schwierig zu organisieren war, wird dann leichter möglich sein. Ein Pfarrcafé am Sonntag, ein Pfarrfest. Und die Jugend und Jungschar werden eigene Räume im Untergeschoß des Altbaus zur Verfügung haben. Im 1. Stock werden ein Sitzungszimmer und die Büroräume untergebracht. Der zweite Stock wird zum Wohnbereich umgestaltet. Weil in der großen Stadtpfarrkirche St.Georg für kleinere Gottesdienste nicht die richtige Atmosphäre herrschte, hat sich die Pfarre auch zum Bau einer Wochentagskapelle entschieden.Im Frühjahr soll alles fertig sein. Mit einer Bausteinaktion haben die Schärdinger schon jetzt viel beigetragen, daß man sich mit Geldsorgen in der Stadtpfarre nicht allzu lange herumplagen muß.