
Fabian und Lukas werden im August vier Wochen lang Grund und Boden des palästinensischen Christen Daoud Nassar bearbeiten. Hier wachsen knorrige Rebstöcke auf kargem Boden. Oliven, Datteln und Mandeln werden zum größten Teil per Hand gepflegt und geerntet. Lukas und Fabian sind auf einfache Arbeits- und Lebensbedingungen eingestellt. „Wir schaffen das sicher“, sagt Fabian, der sein Fernweh mit dem Praktikum bekämpfen kann. Und Lukas ergänzt: „Ich sehe es als Herausforderung, für eine gewisse Zeit auf Luxus zu verzichten.“
Ihr Lehrer Gerald Kaiblinger hat das Pilotprojekt an der Landwirtschaftlichen Schule Waizenkirchen umsichtig eingefädelt und kümmert sich um die beiden Schüler auf der Rückreise. Bei der Hinreise werden sie vom Theologen Martin Zellinger begleitet, der ihnen die biblischen Schätze in Israel näherbringen wird. „Wir freuen uns schon, dass wir uns vom Heiligen Land selbst ein Bild machen können“, sagen Lukas und Fabian.
Kaiblinger hat den 42 Hektar großen Weinberg der Familie Nassar, der in der Nähe von Bethlehem liegt, bei einer Pilgerreise im Vorjahr kennengelernt. Wie die Landwirtschaft trotz ständiger Trockenheit und ohne moderne Bewässerungsanlage funktioniert, beeindruckte den Pädagogen, der Religion und Pflanzenbau unterrichtet: „Das ist, wie wenn du in einer Sandgrube Ackerbau machst“, sagt Kaiblinger. Außergewöhnlich sind jedoch nicht nur die klimatischen Bedingungen. Denn seit vielen Jahren kämpft die Familie Nassar um ihr Land, das Daouds Großvater Daher 1916 gekauft hat. Die Besitzrechte der Nassars werden von den Israelis nicht anerkannt. Vor vier Jahren hat das Militär etwa mit Bulldozern den Obstgarten zerstört.
Der evangelische Christ Daoud Nassar, der in Oberösterreich in die Schule gegangen ist, leistet gewaltfreien Widerstand. „Wir weigern uns Feinde zu sein“ ist der Leitspruch. Für sein privates Friedensprojekt „Zelt der Völker“ lädt er ständig Freiwillige ein, bei ihm auf dem Weinberg unentgeltlich zu helfen. Die Unterstützung in Form eines landwirtschaftlichen Praktikums ist jedoch eine Premiere. Gerald Kaiblinger ist sich jedenfalls sicher, dass auch Waizenkirchen vom Kontakt zu Daoud Nassar profitieren kann: „Er ist für uns ein Vorbild, wie man Konflikte ohne Gewalt lösen kann“, so Kaiblinger.

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