
„Auch die christlichen Kirchen waren vom Ungeist mitbetroffen, der dem NS-Regime den Boden bereitet hat. Manche Kirchen bejubelten nicht nur den ‚Anschluss‘, sondern trugen auch die NS-Politik, sei es den Antisemitismus, sei es die Auslöschung vermeintlich unwerten Lebens, voll und ganz mit, was uns heute schamvoll als Verrat am Evangelium erscheint“, heißt es in der ÖRKÖ-Erklärung. Man müsse eingestehen, dass es in den sieben Jahren der NS-Herrschaft „Schuld und Versagen durch Wegschauen und Mittun“, Widerstand aber „nur vereinzelt“ gegeben habe. Aus der Vergangenheit ziehe man die Lehre, „alles Notwendige zu tun, um die Menschen gegen die Schlagworte von falschen Propheten zu immunisieren“.
Auch einzelne Kirchenvertreter nahmen Stellung, so zum Beispiel der evangelische Bischof Michael Bünker: „Wir sehen es am Beispiel der Evangelischen Kirche“, so Bünker, „dass sich in den damaligen Jahren eine gefährliche Irrlehre breitgemacht hat. Sie war besonders durch Antisemitismus gekennzeichnet.“ Gegen ein Verständnis von Nächstenliebe, die nur das eigene Volk mit einbeziehe und „die anderen“ ausschließe, gelte es auch heute aufzutreten „im persönlichen Umgang, in der Familie, unter den Kollegen am Arbeitsplatz, in der Straßenbahn, wo immer es notwendig ist“.
„Macht erwartet“. Besonders selbstkritisch äußerte sich die Leitung der altkatholischen Kirche: „Durch den damaligen Bischof und den Synodalratsvorsitzenden wurde die nationalsozialistische Machtergreifung euphorisch begrüßt und die NS-Doktrin kritiklos angenommen“, sagt Bischof Heinz Lederleitner. Man habe sich als „Nationalkirche“ eine Steigerung von Macht und Ansehen erhofft. Heute träten die Altkatholiken gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus, NS-Wiederbetätigung und menschenverachtende Umtriebe im Land auf.
Wie berichtet hatte die römisch-katholische Bischofskonferenz eine Erklärung beschlossen, in der es heißt, auch heute schmerze noch, dass die Christen – „auch und gerade die Bischöfe“ – 1938 und in den Jahren des NS-Furors danach „nicht stärker der Macht des Hasses, der Unmenschlichkeit und der Diktatur entgegengetreten sind“.

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